Bedeutung
Bei einem geplanten Aktien-Trade können eine Verlustschwelle und ein Kursziel festgelegt werden. Der Vergleich der jeweiligen Kursabstände beschreibt das mögliche Verlustrisiko und Gewinnpotenzial des Trades. Wer beispielsweise 1 US-Dollar je Aktie riskiert, um 2 US-Dollar je Aktie zu gewinnen, spricht häufig von einem Risiko-Chance-Verhältnis von 1:2. Dasselbe Verhältnis lautet Chance-Risiko-Verhältnis 2:1. Da beide Schreibweisen verwendet werden, sollte immer angegeben werden, welche Zahl für das Risiko steht.
Diese Beträge hängen von den angenommenen Ein- und Ausstiegskursen ab. Eine Stop-Order kann zu einem anderen Kurs als dem Stopkurs ausgeführt werden, und das Kursziel wird möglicherweise nie erreicht. Das Verhältnis dient der Planung. Es ist weder eine Prognose noch eine Aussage darüber, wie wahrscheinlich ein bestimmter Ausgang ist.
Berechnung
Für einen hypothetischen Long-Trade mit einer geplanten Verlustschwelle unterhalb des Einstiegskurses und einem Kursziel darüber gilt:
Risiko-Chance-Verhältnis = (Einstiegskurs − Kurs der Verlustschwelle) / (Kursziel − Einstiegskurs)
- Einstiegskurs: angenommener Kaufkurs in US-Dollar je Aktie.
- Kurs der Verlustschwelle: geplanter Ausstiegskurs, falls sich der Trade gegen die Position entwickelt, in US-Dollar je Aktie.
- Kursziel: geplanter Ausstiegskurs, falls sich der Trade günstig entwickelt, in US-Dollar je Aktie.
Beide Differenzen müssen positiv sein. Das Ergebnis ist dimensionslos, da sich US-Dollar je Aktie herauskürzen. Für die Darstellung als 1:x wird das mögliche Plus je Aktie durch den möglichen Verlust je Aktie geteilt. Diese Bruttoberechnung auf Basis der Kursdifferenzen berücksichtigt weder Provisionen noch Geld-Brief-Spanne oder sonstige Ausführungskosten. Bei einer gleichwertigen Berechnung in Gesamtbeträgen wird jede Kursdifferenz mit derselben Aktienzahl multipliziert; vor Kosten kürzt sich die Stückzahl daher heraus.
Rechenbeispiel
Angenommen, eine Anlegerin plant hypothetisch eine Long-Position mit 100 Aktien zu je 50 US-Dollar, einer Verlustschwelle bei 48 US-Dollar und einem Kursziel von 54 US-Dollar.
- Möglicher Kursverlust: 50 US-Dollar − 48 US-Dollar = 2 US-Dollar je Aktie beziehungsweise 200 US-Dollar bei 100 Aktien.
- Möglicher Kursgewinn: 54 US-Dollar − 50 US-Dollar = 4 US-Dollar je Aktie beziehungsweise 400 US-Dollar bei 100 Aktien.
- Risiko geteilt durch Chance: 2 US-Dollar / 4 US-Dollar = 0,5. Üblicherweise wird das als Risiko-Chance-Verhältnis von 1:2 angegeben. In umgekehrter Reihenfolge ergibt sich ein Chance-Risiko-Verhältnis von 2:1.
Als separates, rein hypothetisches Kostenbeispiel seien die gesamten Ausführungskosten für Ein- und Ausstieg bei beiden möglichen Ausgängen 20 US-Dollar. Der mögliche Nettoverlust steigt damit auf 220 US-Dollar, während der mögliche Nettogewinn auf 380 US-Dollar sinkt. Das Netto-Risiko-Chance-Verhältnis beträgt dann 220:380 oder ungefähr 1:1,73. Die tatsächlichen Kosten und Ausführungskurse können je nach Ausgang unterschiedlich sein.
Warum das vor dem Trade wichtig ist
Das Chance-Risiko-Verhältnis macht die Annahmen einer Anlegerin oder eines Anlegers sichtbar. Vor einer Order hilft es, ein weit entferntes Kursziel von einem tatsächlich günstigen Verhältnis zwischen möglichem Gewinn und Verlust nach Kosten zu unterscheiden. Es kann auch in Berechnungen zur Positionsgröße einfließen: Bei 2 US-Dollar geplantem Verlust je Aktie wären 100 Aktien mit einem geplanten Verlust von 200 US-Dollar verbunden. Eine Kurslücke oder eine ungünstige Ausführung kann den tatsächlichen Verlust jedoch erhöhen.
Das Verhältnis allein belegt nicht, dass ein Trade einen positiven Erwartungswert hat. Zur vereinfachten Veranschaulichung hätte ein Setup mit einem Risiko-Chance-Verhältnis von 1:2, das in 20 % der Fälle gewinnt, vor Kosten folgenden Erwartungswert: 0,20 × 2 − 0,80 × 1 = −0,40 Risikoeinheiten je Trade. Das Beispiel unterstellt lediglich zwei mögliche Ausgänge und schätzt nicht die Gewinnwahrscheinlichkeit eines realen Trades.
Verwendung bei PreTrAIde
Aus den Produktangaben geht nicht hervor, dass PreTrAIde ein Chance-Risiko-Verhältnis berechnet oder zur Ermittlung seines Urteils verwendet. Stattdessen analysiert die Plattform vor der Orderausführung ein von Nutzerinnen und Nutzern zusammengestelltes Aktienportfolio. Sie gibt ein Urteil aus – GO, NO-GO oder MODIFY –, ergänzt durch Risikoeinschätzungen, modellbasierte Erfolgswahrscheinlichkeiten und vorgeschlagene Ausführungsstrategien mit verständlichen Begründungen. Die quantitative Ebene schätzt unter anderem Geld-Brief-Spanne, Markteinfluss, Volatilität und den Value at Risk (VaR) auf einen Tag mit 95 % Konfidenzniveau.
Diese Schätzungen betreffen Annahmen, die in eine Berechnung des Chance-Risiko-Verhältnisses einfließen, insbesondere Ausführungskosten und Verlustrisiken. Sie ersetzen jedoch nicht eine selbst festgelegte Verlustschwelle und ein Kursziel. Eine von PreTrAIde angegebene Erfolgswahrscheinlichkeit ist keine Renditeprognose. Die Urteile dienen der Entscheidungsunterstützung und sind keine Empfehlungen.
Häufige Fehler
- Verhältnis verwechselt: Immer angeben, ob 1:2 das Risiko-Chance- oder das Chance-Risiko-Verhältnis bezeichnet.
- Ausführungskosten ignoriert: Geld-Brief-Spanne, Markteinfluss und Provisionen können den möglichen Gewinn mindern oder den möglichen Verlust erhöhen.
- Stopkurs mit garantiertem Ausführungskurs gleichgesetzt: Kurslücken und geringe Liquidität können dazu führen, dass die Ausführung jenseits der geplanten Schwelle erfolgt.
- Höhe des möglichen Gewinns mit Wahrscheinlichkeit verwechselt: Ein hohes Gewinnpotenzial sagt für sich genommen nichts darüber aus, wie wahrscheinlich das Erreichen des Kursziels ist.
- Beliebiges Kursziel gewählt: Ein Kursziel nur deshalb anzupassen, damit das angezeigte Verhältnis günstiger aussieht, verändert weder den Markt noch die Wahrscheinlichkeit des Ergebnisses.