Was es bedeutet
Ein Analyst kann neben einer Einstufung ein Kursziel veröffentlichen. Damit gibt er an, zu welchem Kurs seiner Einschätzung nach eine Aktie zu einem bestimmten künftigen Zeitpunkt gehandelt werden könnte – häufig etwa 12 Monate später. Das Kursziel ist eine auf Annahmen beruhende Einschätzung, kein Kurs, den der Markt erreichen muss. Seine Aussagekraft hängt vom Zeithorizont, der Bewertungsmethode, den Prognosen und dem Veröffentlichungsdatum ab.
Ein Kursziel wird meist als Preis je Aktie angegeben, zum Beispiel 60 US-Dollar. Es ist von einer Analysteneinstufung zu unterscheiden, die die Aktie allgemeiner beurteilt. Mehrere Analysten können für dieselbe Aktie unterschiedliche Kursziele veröffentlichen, weil sie von verschiedenen Annahmen ausgehen. Der Durchschnitt dieser Kursziele wird häufig als Konsens-Kursziel bezeichnet.
Wie es berechnet wird
Es gibt keine allgemeingültige Formel für Kursziele. Ein verbreiteter Ansatz wendet eine prognostizierte Bewertungskennzahl auf eine prognostizierte Finanzgröße an:
Kursziel (US-Dollar/Aktie) = prognostizierter Gewinn je Aktie (US-Dollar/Aktie) × Ziel-KGV
- Prognostizierter Gewinn je Aktie ist die vom Analysten geschätzte Kennzahl für den im Bewertungszeitraum verwendeten Gewinn je Aktie. Die Einheit lautet US-Dollar je Aktie.
- Ziel-KGV ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis, das der Analyst dem Markt möglicherweise zutraut. Es hat keine Einheit.
- Kursziel ist der daraus abgeleitete geschätzte Aktienkurs in US-Dollar je Aktie.
Ein Analyst kann stattdessen ein Discounted-Cashflow-Verfahren, Vergleichsunternehmen oder eine andere Bewertungsmethode heranziehen. Ob Anpassungen für Schulden, liquide Mittel, erwartete Dividenden oder eine erwartete Veränderung der Aktienzahl vorgenommen werden, hängt von der Methode ab. Ein Kursziel auf Basis des prognostizierten Gewinns je Aktie und eines KGVs ist keine Schätzung der Gesamtrendite für Aktionäre: Dividenden sind davon getrennt, sofern sie nicht ausdrücklich einbezogen werden.
Rechenbeispiel
Angenommen, ein Analyst prognostiziert hypothetisch einen Gewinn je Aktie von 4 US-Dollar und setzt ein Ziel-KGV von 15 an:
- Multiplizieren Sie 4 US-Dollar je Aktie mit 15. Das ergibt ein Kursziel von 60 US-Dollar je Aktie.
- Nehmen wir an, die Aktie wird derzeit zu 50 US-Dollar je Aktie gehandelt. Die Differenz beträgt 10 US-Dollar je Aktie.
- Die angezeigte Kursveränderung gegenüber diesem Referenzkurs beträgt
((60 US-Dollar − 50 US-Dollar) ÷ 50 US-Dollar) × 100 = 20 %.
Diese 20 % sind die rechnerische Differenz zwischen dem aktuellen Kurs und dem hypothetischen Kursziel – keine Wahrscheinlichkeit, erwartete Rendite oder zugesicherter Gewinn. Dividenden, Handelskosten und Änderungen der Analystenannahmen sind in der Berechnung nicht enthalten. Innerhalb des angegebenen Zeithorizonts kann eine Aktie über oder unter dem Kursziel notieren oder es gar nicht erreichen.
Warum es vor dem Handel wichtig ist
Ein Kursziel kann aufzeigen, welche Annahmen einer Bewertung zugrunde liegen: erwartete Gewinne, das gewählte Bewertungsmultiple und der Zeitraum, in dem sich die Anlageidee entwickeln soll. Auch der Veröffentlichungszeitpunkt ist wichtig, denn Geschäftsberichte, Unternehmensmeldungen und Marktbedingungen können ein älteres Kursziel weniger relevant machen.
Ein Kursziel sagt nicht aus, ob ein Auftrag nahe dem angezeigten Marktpreis ausgeführt werden kann. Vor einem Handel kann eine separate Vorabprüfung die Geld-Brief-Spanne, das Auftragsvolumen im Verhältnis zum Handelsvolumen, mögliche Marktbewegungen durch den Auftrag, die Volatilität und die Konzentration im Aktienkorb berücksichtigen. Diese Faktoren betreffen den geplanten Handel und seine Ausführung – nicht die Frage, ob sich das Analystenkursziel als zutreffend erweist.
Wie PreTrAIde es nutzt
PreTrAIde ergänzt seine Aktienanalysen um Analysteneinstufungen und aktuelle Nachrichten. Die KI-Agenten analysieren einzelne Aktien und den Aktienkorb anhand dieser Informationen und orientieren sich dabei an quantitativen Bewertungen. Aus den Produktangaben geht nicht hervor, dass PreTrAIde einzelne Analystenkursziele berechnet, anzeigt oder verwendet. Ein Kursziel sollte daher nicht als Eingabe betrachtet werden, die PreTrAIde zwangsläufig nutzt.
Bei PreTrAIde bewertet die Vorab-Handelsanalyse einen geplanten Aktienkorb, bevor ein Auftrag erteilt wird. Sie liefert die Urteile GO, NO-GO oder MODIFY, Risikoeinschätzungen und vorgeschlagene Ausführungsstrategien mit allgemein verständlicher Begründung. Die Erfolgswahrscheinlichkeit ist eine Modellschätzung, keine Renditeprognose und kein Maß dafür, ob ein Kursziel erreicht wird. Die Urteile unterstützen die Entscheidungsfindung; etwaige Handelsaufträge erteilen Nutzer selbst über ihren jeweiligen Broker.
Häufige Fehler
- Das Kursziel als Prognose mit bekannter Eintrittswahrscheinlichkeit auffassen. Aus einem angegebenen Kursziel lässt sich nicht ableiten, wie wahrscheinlich es ist, dass der Kurs erreicht wird.
- Veröffentlichungsdatum und Zeithorizont außer Acht lassen. Ein Kursziel, das vor wesentlichen Unternehmensmeldungen veröffentlicht wurde, kann auf veralteten Annahmen beruhen.
- Kursveränderung mit Gesamtrendite verwechseln. Dividenden und Handelskosten können das Ergebnis für Anleger verändern.
- Kursziele vergleichen, ohne die Methoden zu prüfen. Analysten können unterschiedliche Gewinnzeiträume, Bewertungsmultiples und Annahmen zugrunde legen.
- Annehmen, das Kursziel sei ein ausführbarer Kurs. Der tatsächliche Ausführungskurs hängt vom Auftrag und den Marktbedingungen zum Ausführungszeitpunkt ab.