Bedeutung
Moving Average Convergence Divergence, kurz MACD, misst den Abstand zwischen einem schnelleren und einem langsameren exponentiellen gleitenden Durchschnitt (EMA) des Aktienkurses. Veränderungen dieses Abstands können Hinweise auf das Kursmomentum geben. Der MACD misst weder die Kosten der Handelsausführung noch sagt er den nächsten Kurs voraus.
Eine standardmäßige MACD-Anzeige umfasst drei Bestandteile: die MACD-Linie, eine glättende Signallinie und ein Histogramm, das den Abstand zwischen diesen Linien zeigt. Die Werte werden in Kurseinheiten angegeben, etwa in US$ je Aktie, nicht in Prozent. Ein MACD von +2 US$ hat daher bei einer Aktie zu 20 US$ eine andere relative Bedeutung als bei einer Aktie zu 200 US$.
Berechnung
Für einen Tageschart werden üblicherweise die Perioden 12, 26 und 9 Handelstage verwendet:
EMA_t(N) = α × P_t + (1 − α) × EMA_(t−1)(N); α = 2 / (N + 1)MACD_t = EMA_t(12) − EMA_t(26)Signal_t = EMA_t(MACD, 9)Histogram_t = MACD_t − Signal_t
Dabei ist P_t der Schlusskurs am Tag t, angegeben in US$ je Aktie; N bezeichnet die EMA-Periode und α ihren Gewichtungsfaktor. EMA_t(N) ist der Kurs-EMA am Tag t. EMA_t(MACD, 9) wendet dieselbe EMA-Berechnung auf die Werte der MACD-Linie an, nicht auf Schlusskurse. MACD-Linie, Signallinie und Histogramm werden alle in US$ je Aktie angegeben. Ein Chartdienst muss jeden EMA anhand früherer Beobachtungen initialisieren; die Berechnung lässt sich daher nicht allein aus dem Kurs eines Tages rekonstruieren.
Kreuzt die MACD-Linie die Signallinie von unten nach oben, steigt das Histogramm über null. Bei einer Kreuzung von oben nach unten fällt es unter null. Davon zu unterscheiden ist die Nulllinienkreuzung des MACD: Sie tritt auf, wenn der 12-Perioden- und der 26-Perioden-Kurs-EMA gleich sind und sich anschließend in ihrer Reihenfolge ändern. Dies sind Beschreibungen historischer Kursberechnungen, keine Handelsanweisungen.
Rechenbeispiel
Angenommen, für eine hypothetische Aktie liegen genügend frühere Tagesdaten vor, um alle drei EMAs zu initialisieren. Am Ende eines Handelstags gilt:
- Der 12-Perioden-Kurs-EMA beträgt 102 US$ je Aktie, der 26-Perioden-Kurs-EMA 100 US$ je Aktie.
- Die MACD-Linie beträgt
102 US$ − 100 US$ = +2 US$je Aktie. - Angenommen, der bereits initialisierte 9-Perioden-EMA der MACD-Linie beträgt +1,50 US$ je Aktie. Das ist die Signallinie.
- Das Histogramm beträgt
2 US$ − 1,50 US$ = +0,50 US$je Aktie.
Diese Momentaufnahme zeigt, dass der schnellere Kurs-EMA über dem langsameren liegt und der MACD über seiner Signallinie steht. Sie belegt nicht, dass an diesem Tag eine Kreuzung stattgefunden hat: Dafür werden auch die Werte des Vortags benötigt. Ein positives Histogramm sagt außerdem nicht aus, was als Nächstes passiert.
Bedeutung vor dem Handel
Bei der Prüfung eines geplanten Aktiengeschäfts kann der MACD Kontext zum Kurstrend liefern. Ein Pre-Trade-Check beantwortet zusätzliche Fragen, die der MACD offenlässt: Wie groß ist die geplante Order im Verhältnis zum Tagesvolumen? Wie hoch sind die geschätzte Geld-Brief-Spanne und der Markteinfluss? Welche Volatilität und Konzentration im Portfolio bringt das Geschäft mit sich? Ein preisbasierter Indikator und eine Ausführungsanalyse befassen sich mit unterschiedlichen Risiken.
Der MACD wird aus vergangenen Kursen berechnet; die Glättung durch EMAs führt zu einer Verzögerung. Bei Kursschwankungen ohne anhaltenden Trend können sich Signale schnell umkehren. Auch Einstellungen und Chartintervalle spielen eine Rolle: Ein täglicher MACD und ein stündlicher MACD beruhen auf unterschiedlichen Beobachtungen, selbst wenn bei beiden die Werte 12, 26 und 9 angezeigt werden.
Verwendung bei PreTrAIde
Aus den Produktangaben von PreTrAIde geht nicht hervor, dass die Plattform den MACD berechnet oder verwendet. Die Pre-Trade-Analyse ist keine technische Analyse von Chartmustern. Stattdessen gibt der Nutzer vor der Orderaufgabe einen Aktienkorb mit Kauf- und Verkaufspositionen, Stückzahlen und Ausführungsbedingungen an. PreTrAIde bewertet unter anderem die geschätzte Geld-Brief-Spanne, den Anteil am Tagesvolumen, den Markteinfluss und die tägliche Volatilität und liefert anschließend Entscheidungshilfen mit Begründungen. Diese Einschätzungen können eine separate Betrachtung des MACD ergänzen. Ein PreTrAIde-Urteil ist jedoch weder ein MACD-Signal noch eine Anlageempfehlung.
Häufige Fehler
- Eine Kreuzung der Signallinie als verlässliche Kursprognose auffassen. Sie zeigt eine Veränderung des berechneten Momentums an, garantiert aber kein bestimmtes Ergebnis.
- Eine Nulllinienkreuzung mit einer Kreuzung der Signallinie verwechseln. Dabei werden unterschiedliche Größen verglichen.
- Unbereinigte MACD-Werte von Aktien mit stark unterschiedlichen Kursen so vergleichen, als wären sie Prozentwerte.
- Annehmen, ein positives Histogramm bedeute, dass das Momentum zunimmt. Es kann positiv bleiben und zugleich kleiner werden.
- Geld-Brief-Spanne, Ordergröße und Liquidität außer Acht lassen, weil der Chart günstig aussieht. Der MACD schätzt keine Ausführungskosten.