Was der Begriff bedeutet
In einem Kurschart setzen Bollinger-Bänder die jüngste Kursentwicklung in einen Zusammenhang. Die mittlere Linie zeigt einen gleitenden Durchschnitt; die obere und untere Linie zeigen, wie weit die Kurse im Verhältnis zu ihrer jüngsten Schwankung von diesem Durchschnitt entfernt sind. Üblicherweise werden 20 Schlusskurse und Bänder im Abstand von zwei Standardabweichungen ober- und unterhalb des Durchschnitts verwendet. Die Einstellungen können je nach Chart jedoch abweichen.
Die Bänder werden breiter, wenn die gemessene Schwankung der Schlusskurse zunimmt, und schmaler, wenn sie abnimmt. Ein Schlusskurs nahe an oder außerhalb eines Bandes zeigt seine Lage im Verhältnis zum gewählten Betrachtungszeitraum. Für sich allein genommen weist er weder auf einen Wendepunkt hin noch sagt er den nächsten Kurs voraus.
Berechnung
Für einen Chart mit 20 Perioden, berechnet anhand der Schlusskurse:
Middle_t = mean(P_t, ..., P_(t-19)); SD_t = sqrt[sum((P_i - Middle_t)^2) / 20]; Upper_t = Middle_t + 2 × SD_t; Lower_t = Middle_t - 2 × SD_t
P_iist der Schlusskurs in US-Dollar je Aktie für jede der 20 Perioden bis einschließlich Periodet.Middle_tist der arithmetische Mittelwert dieser 20 Schlusskurse, in US-Dollar je Aktie.SD_tist die Populationsstandardabweichung dieser Schlusskurse, in US-Dollar je Aktie; die Summe umfasst 20 quadrierte Abweichungen. Manche Chart-Tools verwenden eine andere Konvention für die Standardabweichung.Upper_tundLower_tsind die Bandwerte für Periodet, in US-Dollar je Aktie. Der Multiplikator2ist dimensionslos und lässt sich anpassen.
Eine Periode muss nicht einem Tag entsprechen: Ein Wochenchart verwendet beispielsweise wöchentliche Schlusskurse. Mit jeder neuen Periode fällt der älteste Schlusskurs heraus und der neueste kommt hinzu.
Beispielrechnung
Angenommen, eine hypothetische Aktie hat folgende fünf Tagesschlusskurse in US-Dollar je Aktie: 98, 99, 100, 101 und 102. Um die Rechnung anschaulich zu machen, verwenden wir einen Betrachtungszeitraum von fünf Tagen und einen Multiplikator von zwei. Das ist nicht die übliche Einstellung mit 20 Perioden.
- Mittelwert berechnen:
(98 + 99 + 100 + 101 + 102) / 5 = 100 US$. - Abweichungen vom Mittelwert berechnen: −2, −1, 0, 1 und 2 US-Dollar je Aktie. Die Summe ihrer Quadrate beträgt
4 + 1 + 0 + 1 + 4 = 10(US-Dollar je Aktie)². - Durch fünf teilen und die Quadratwurzel ziehen:
SD = sqrt(10 / 5) = sqrt(2) ≈ 1,414 US$ je Aktie. - Bänder berechnen:
Upper = 100 + 2 × 1,414 ≈ 102,83 US$;Lower = 100 − 2 × 1,414 ≈ 97,17 US$je Aktie.
Der letzte Schlusskurs von 102 US$ liegt unter dem oberen Band. Die Rechnung zeigt, wo dieser Schlusskurs im Verhältnis zu den fünf Schlusskursen liegt – nicht, wohin sich der Aktienkurs als Nächstes bewegt. Andere Betrachtungszeiträume oder Konventionen zur Berechnung der Standardabweichung ergeben andere Bänder.
Warum das vor einem Trade wichtig ist
Bollinger-Bänder können dabei helfen einzuschätzen, ob ein geplanter Trade einer jüngsten Kursbewegung folgt oder in eine Phase vergleichsweise geringer oder starker Kursschwankungen fällt. Ein schmales Band beweist jedoch nicht, dass ein Ausbruch unmittelbar bevorsteht. Ebenso muss ein Kurs oberhalb des oberen Bandes nicht wieder fallen: Bei einer anhaltenden Bewegung kann der Kurs nahe an einem Band bleiben.
Bei der Prüfung vor einem Trade geht es auch um die Ausführung. Wie groß ist der Auftrag im Verhältnis zum typischen Tagesvolumen? Mit welcher Geld-Brief-Spanne und welchem Markteinfluss ist zu rechnen? Ein Indikator, der auf Schlusskursen basiert, beantwortet diese Fragen nicht. Nachrichten, Handelsunterbrechungen und Kurslücken können die Bedingungen ebenfalls verändern, ohne dass eine Berechnung auf Grundlage jüngster Kurse dies erfasst.
So verwendet PreTrAIde den Indikator
Aus den Produktinformationen geht nicht hervor, dass PreTrAIde Bollinger-Bänder berechnet oder sie in seine Bewertungen einbezieht. Die Vorab-Analyse von PreTrAIde ist keine technische Analyse von Chartmustern. Bei einem vom Nutzer zusammengestellten Aktienkorb bewertet PreTrAIde vor einer Order unter anderem die geschätzte Geld-Brief-Spanne, den Anteil am Tagesvolumen, den Markteinfluss und die tägliche Volatilität. Das Ergebnis ist eine Bewertung mit Begründung: GO, NO-GO oder MODIFY. Diese Bewertungen dienen der Entscheidungsunterstützung und sind keine Empfehlungen.
Häufige Fehler
- Einen Kontakt mit dem Band als Handelssignal behandeln. Er zeigt das Verhältnis zu jüngsten Schlusskursen, gibt aber keine verlässliche Richtung für die nächste Bewegung vor.
- Annehmen, dass zwei Standardabweichungen eine Abdeckung von 95 % bedeuten. Die bekannte 95-%-Regel beruht auf Annahmen, die bei Aktienkursen und rollierenden Bändern nicht erfüllt sind. Es ist nicht garantiert, dass Kurse innerhalb der Bänder bleiben.
- Die Einstellungen außer Acht lassen. Eine Berechnung mit fünf Tagen erfasst einen anderen Zeitraum als eine mit 20 Tagen. Auch eine Änderung des Multiplikators verändert die Bandbreite.
- Bandbreite mit Handelsliquidität verwechseln. Die Bandbreite spiegelt Schwankungen der ausgewählten Schlusskurse wider, nicht die verfügbare Orderbuchtiefe oder die Kosten einer Ausführung.