Bedeutung
Ein gleitender Durchschnitt glättet den bisherigen Aktienkurs, indem er den Kurs jedes Tages durch einen Durchschnitt aus einem rollierenden Zeitraum ersetzt. Ein gleitender 5-Tage-Durchschnitt umfasst fünf Handelstage, nicht fünf Kalendertage. Kommt ein neuer Handelstag hinzu, fällt der älteste Tag aus dem Berechnungszeitraum heraus.
Gleitende Durchschnitte sind Indikatoren der technischen Analyse: Sie beschreiben historische Kurse. Eine steigende Linie im Chart zeigt, dass der Durchschnitt der einbezogenen Kurse gestiegen ist. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, wie sich der nächste Kurs entwickelt. Zu den gängigen Varianten zählen der einfache gleitende Durchschnitt (Simple Moving Average, SMA), bei dem alle Beobachtungen gleich gewichtet werden, und der exponentielle gleitende Durchschnitt (Exponential Moving Average, EMA), bei dem jüngere Beobachtungen stärker gewichtet werden.
Auch die Wahl der Kursreihe ist relevant. Ein auf Schlusskursen basierender Durchschnitt kann von einem auf Eröffnungskursen basierenden abweichen. In Charts können historische Kurse zudem um Aktiensplits oder Dividenden bereinigt sein, wodurch sich die angezeigten Werte ändern. Ein sinnvoller Vergleich setzt eine einheitliche Kursreihe und Berechnungsmethode voraus.
Berechnung
Für einen SMA auf Basis von Schlusskursen gilt:
SMA_t(N) = (P_t + P_(t−1) + ... + P_(t−N+1)) / N
SMA_t(N)ist der einfache gleitende Durchschnitt in der Handelsperiodet, angegeben in derselben Währung je Aktie wie die Kurse.P_tist der Schlusskurs der Periodet;P_(t−1)ist der Schlusskurs der vorherigen Handelsperiode und so weiter.Nist die Anzahl der Handelsperioden im Berechnungszeitraum und hat keine Währungseinheit.
Für die Berechnung eines SMA über N Perioden sind mindestens N Beobachtungen erforderlich. Ein EMA folgt einer anderen, rekursiv gewichteten Formel. Deshalb unterscheiden sich EMA und SMA mit derselben angegebenen Periodenlänge in der Regel.
Rechenbeispiel
Angenommen, eine fiktive Aktie schließt an fünf aufeinanderfolgenden Handelstagen bei 20 US$, 22 US$, 24 US$, 26 US$ und 28 US$.
- Addieren Sie die fünf Schlusskurse: 20 US$ + 22 US$ + 24 US$ + 26 US$ + 28 US$ = 120 US$.
- Teilen Sie durch fünf: 120 US$ / 5 = 24 US$ je Aktie. Das ist der 5-Tage-SMA am fünften Tag.
- Angenommen, der nächste Schlusskurs liegt bei 30 US$. Lassen Sie den ältesten Schlusskurs von 20 US$ weg und nehmen Sie den Kurs von 30 US$ hinzu: (22 US$ + 24 US$ + 26 US$ + 28 US$ + 30 US$) / 5 = 26 US$ je Aktie.
Der Durchschnitt ist von 24 US$ auf 26 US$ gestiegen, weil der neue Kurs über dem Kurs liegt, den er ersetzt. Diese fiktiven Kurse veranschaulichen die Berechnung, nicht ein wahrscheinliches Marktmuster.
Bedeutung vor einem Trade
Ein gleitender Durchschnitt kann helfen, einen geplanten Trade in den historischen Kursverlauf einzuordnen. So lässt sich beispielsweise erkennen, ob der aktuelle Kurs über oder unter dem Durchschnitt der jüngsten Schlusskurse liegt. Ein kurzer Berechnungszeitraum reagiert schneller auf Kursänderungen, folgt aber auch kurzfristigen Schwankungen stärker. Ein langer Zeitraum ergibt eine glattere Linie und reagiert langsamer.
Weder ein Schnittpunkt noch ein Kursanstieg über den Durchschnitt bedeutet, dass eine Order zum angezeigten Kurs ausgeführt wird. Ein gleitender Durchschnitt basiert auf vergangenen Beobachtungen; bei einer tatsächlichen Transaktion gelten aktuelle Quotes, die verfügbare Liquidität, die Geld-Brief-Spanne und gegebenenfalls der Markteinfluss. Diese Ausführungsbedingungen sind besonders wichtig, wenn eine Order im Verhältnis zum üblichen Handelsvolumen groß ist.
Verwendung bei PreTrAIde
PreTrAIde führt einen Indikator für gleitende Durchschnitte nicht unter den angegebenen quantitativen Kennzahlen auf. Die Pre-Trade-Analyse ist keine technische Chartanalyse: Sie bewertet einen geplanten Aktienkorb vor Aufgabe einer Order. Dazu gehören unter anderem die geschätzte Geld-Brief-Spanne, der Anteil am Tagesvolumen, der Markteinfluss, die Volatilität sowie weitere Risiko- und Ausführungskennzahlen.
Für jeden Korb und jede Aktienposition gibt PreTrAIde ein Urteil GO, NO-GO oder MODIFY mit einer Begründung aus. Diese Urteile unterstützen die Entscheidungsfindung, sind aber keine Empfehlungen. Ein gleitender Durchschnitt kann den Chart beschreiben, den ein Nutzer betrachtet. Eine Pre-Trade-Prüfung beantwortet dagegen andere Fragen zum geplanten Korb und zu dessen Ausführungsbedingungen.
Häufige Fehler
- Einen Durchschnitt als Prognose verstehen. Er fasst frühere Kurse zusammen, sagt aber nicht den nächsten Kurs voraus.
- Handelstage mit Kalendertagen verwechseln. Ein 20-Tage-Durchschnitt eines Aktienkurses bezieht sich normalerweise auf 20 Handelstage.
- Unterschiedliche Berechnungen vergleichen. SMA und EMA gewichten Beobachtungen unterschiedlich, selbst wenn beide als „20-Tage-Durchschnitt“ bezeichnet werden.
- Die verwendete Kursreihe ignorieren. Schlusskurse, Eröffnungskurse und unterschiedlich bereinigte Kursreihen können zu verschiedenen Durchschnitten führen.
- Ein Chartsignal mit einer Ausführungsprüfung verwechseln. Ein gleitender Durchschnitt misst weder die Geld-Brief-Spanne noch das verfügbare Volumen oder die Kosten einer Order.