Risiko und Volatilität

Volatilitätssteuerung

Volatilitätssteuerung ist ein Ansatz zur Positionsgrößenbestimmung, bei dem das Exposure an die geschätzte Volatilität angepasst wird. So soll das Portfolio oder die Position eine bestimmte Schwankungsbreite der Renditen anstreben.

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Was bedeutet das?

Bei der Volatilitätssteuerung wird die Größe eines Exposures angepasst, wenn sich dessen geschätzte Volatilität ändert. Eine höhere geschätzte Volatilität bedeutet in der Regel ein kleineres Exposure, eine niedrigere geschätzte Volatilität ein größeres – vorbehaltlich geltender Grenzen. Ziel ist eine bestimmte Schwankungsbreite der Renditen, nicht eine Zielrendite oder ein maximaler Verlust.

Der Ansatz lässt sich auf eine einzelne Aktie, eine Strategie oder ein ganzes Portfolio anwenden. Die Volatilitätsschätzung muss jedoch zum Exposure passen, dessen Größe angepasst wird. Die Volatilität einer Aktie entspricht nicht zwangsläufig der Volatilität eines Korbs, der diese Aktie enthält: Diese hängt auch von den Positionsgewichten und davon ab, wie sich die einzelnen Anlagen gemeinsam entwickeln.

So wird sie berechnet

Eine einfache Positionsregel lautet: Zielgewicht = Basisgewicht × (Zielvolatilität / geschätzte Volatilität).

  • Zielgewicht: der Anteil des Portfoliowerts, der dem Exposure nach der Anpassung zugewiesen wird, vor Anwendung einer Obergrenze. Als Prozentwert oder Dezimalzahl angeben.
  • Basisgewicht: der Anteil, der vor der Volatilitätsskalierung zugewiesen wurde, in denselben Einheiten wie das Zielgewicht.
  • Zielvolatilität: die angestrebte Standardabweichung der Renditen über einen festgelegten Zeitraum, etwa als annualisierter Prozentwert.
  • Geschätzte Volatilität: die geschätzte Standardabweichung der Renditen des Exposures über denselben Zeitraum und in denselben Einheiten wie die Zielvolatilität.

Bei dieser einfachen Regel müssen beide Volatilitätswerte positiv sein. Ihr Quotient ist dimensionslos. Er skaliert eine Basisposition, sorgt aber nicht unbedingt dafür, dass das gesamte Portfolio den Zielwert erreicht – insbesondere dann nicht, wenn andere Positionen unverändert bleiben. Für ein Portfolio mit nur einem Exposure und dem verbleibenden Anteil in Barmitteln gilt näherungsweise: Zielgewicht des Exposures = Zielvolatilität des Portfolios / geschätzte Volatilität des Exposures. Dabei wird angenommen, dass die Barmittel eine vernachlässigbare Volatilität haben und die Schätzung zutrifft. Ein Ergebnis über 100 % impliziert einen Einsatz von Fremdkapital oder Hebel. Ein Konto ohne Hebel müsste das Gewicht begrenzen. Positionslimits oder andere Beschränkungen können das berechnete Gewicht ebenfalls reduzieren.

Rechenbeispiel

Angenommen, eine Anlegerin oder ein Anleger verfügt hypothetisch über ein Portfolio von 100.000 US-Dollar und hat einer einzelnen Aktie ein Basisgewicht von 20 % zugewiesen. Zielvolatilität und geschätzte Volatilität für dieses Aktien-Exposure sind beide annualisiert und betragen 12 % beziehungsweise 24 %.

  1. Anpassungsfaktor berechnen: 12 % / 24 % = 0,5.
  2. Basisgewicht skalieren: 20 % × 0,5 = 10 %.
  3. Gewicht in einen Dollarbetrag umrechnen: 100.000 US-Dollar × 10 % = 10.000 US-Dollar statt der ursprünglichen 20.000 US-Dollar.

In diesem Beispiel wird die Aktienposition halbiert. Daraus folgt nicht, dass das resultierende Portfolio eine annualisierte Volatilität von 12 % hat. Dafür wäre eine Schätzung des gesamten Portfolios nötig, einschließlich der übrigen Positionen und ihrer Korrelationen mit der Aktie. Die Dollarbeträge beschreiben das Exposure, nicht einen erwarteten Gewinn oder Verlust.

Warum das vor einem Trade wichtig ist

Die geplante Stückzahl kann im Verhältnis zur aktuellen Volatilität zu einer größeren Position führen als beabsichtigt. Ein Vergleich des geplanten Gewichts mit einem volatilitätsangepassten Gewicht macht diesen Unterschied sichtbar, bevor eine Order aufgegeben wird. Die Prüfung sollte einen festgelegten Schätzzeitraum und Anlagehorizont zugrunde legen und bestehende Positionen berücksichtigen, statt einen neuen Trade isoliert zu betrachten.

Volatilitätsschätzungen können sich ändern. Häufige Anpassungen können zudem durch wiederholtes Handeln Transaktionskosten verursachen. Selbst eine Position, die einem Volatilitätsziel entspricht, kann von einem plötzlichen Kurssprung, mangelnder Liquidität oder einem Verlust getroffen werden, der weit über die typische Tagesbewegung hinausgeht. Das Ziel ist eine Konvention zur Positionsgrößenbestimmung, keine Garantie für ein gleichbleibendes tatsächliches Risiko.

So verwendet PreTrAIde den Begriff

PreTrAIde erhebt nicht den Anspruch, eine regelbasierte Positionsgrößenanpassung nach dem Prinzip der Volatilitätssteuerung durchzuführen. Die Pre-Trade-Analyse bewertet einen vom Nutzer zusammengestellten Aktienkorb, bevor eine Order aufgegeben wird. Die quantitative Ebene schätzt die tägliche Volatilität mithilfe kombinierter Schätzverfahren, berechnet den 1-Tages-Value-at-Risk bei 95 % Konfidenzniveau und erstellt Volatilitätswerte von 0 bis 100 für einzelne Aktien und den Korb. Außerdem stellt sie Risikobewertungen und Portfolioaufschlüsselungen bereit. Diese Ergebnisse können eine separate Prüfung zur Volatilitätssteuerung unterstützen. Ein PreTrAIde-Urteil ist jedoch eine Entscheidungshilfe und keine Aufforderung, eine Position zu ändern. Trades führen Nutzer selbst über ihre jeweiligen Broker aus.

Häufige Fehler

  • Zeiträume vermischen: Wird eine annualisierte Zielvolatilität durch eine täglich geschätzte Volatilität geteilt, ergibt sich ein ungültiger Anpassungsfaktor.
  • Einzelaktie und Portfolio gleichsetzen: Für die Portfoliovolatilität sind auch Korrelationen und die Gewichte anderer Positionen entscheidend.
  • Das berechnete Gewicht als uneingeschränkt umsetzbar ansehen: Hebel, Positionslimits, verfügbare Barmittel und Ausführungskosten können die Umsetzung verhindern.
  • Volatilität mit Gesamtrisiko gleichsetzen: Die Standardabweichung schließt Kurssprünge, extreme Verluste oder schwer veräußerbare Positionen nicht aus.
  • Von einer stabilen Schätzung ausgehen: Eine Volatilitätsschätzung beruht auf einer Methode und den verfügbaren Daten, nicht auf bekannten künftigen Renditen.

Häufig gestellte Fragen

Garantiert die Volatilitätssteuerung ein festes Risikoniveau?

Nein. Das Exposure wird anhand einer Schätzung bemessen. Die tatsächlich realisierte Volatilität kann davon abweichen; auch plötzliche Kurssprünge oder extreme Verluste sind möglich.

Verringert die Volatilitätssteuerung immer eine Position?

Nein. Der einfache Quotient erhöht das berechnete Gewicht, wenn die geschätzte Volatilität unter der Zielvolatilität liegt. Barmittel, Hebel und Positionslimits können das Gewicht allerdings begrenzen.

Ist Volatilitätssteuerung dasselbe wie Value at Risk?

Nein. Bei der Volatilitätssteuerung wird das Exposure anhand der geschätzten Renditeschwankungen skaliert. Der Value at Risk schätzt unter bestimmten Annahmen eine Verlustschwelle für einen festgelegten Zeitraum und ein bestimmtes Konfidenzniveau.

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