Fundamentalanalyse

Konsensusschätzung

Eine Konsensusschätzung fasst die Prognosen von Analysten zu einer Unternehmenskennzahl zusammen, etwa zum Gewinn je Aktie oder Umsatz für ein bestimmtes Berichtsquartal.

Bedeutung

Analysten veröffentlichen häufig Prognosen für dasselbe Unternehmen und denselben Berichtszeitraum. Eine Konsensusschätzung fasst diese Prognosen zu einer Kennzahl zusammen, meist als Mittelwert oder Median. Dabei kann es sich etwa um den Gewinn je Aktie (EPS) für ein Quartal, den Jahresumsatz oder eine andere Kennzahl zur Unternehmensentwicklung handeln.

Ein Konsens ist eine Erwartung, kein ausgewiesenes Ergebnis. Seine Aussagekraft hängt von der Kennzahl, dem Berichtszeitraum, der Rechnungslegungsgrundlage und der Erhebungsmethode ab. Eine Prognose für das bereinigte EPS kann beispielsweise Posten ausklammern, die im ausgewiesenen EPS enthalten sind. Zudem ändern sich Schätzungen, wenn Analysten ihre Prognosen aktualisieren.

Die einzelne Kennzahl kann unterschiedliche Einschätzungen verbergen. Ein EPS-Konsens von 1,00 US$ auf Basis eng beieinanderliegender Prognosen um 1,00 US$ sagt etwas anderes aus als ein Konsens, der aus Prognosen zwischen 0,50 US$ und 1,50 US$ gebildet wurde – selbst wenn beide Mittelwerte gleich sind.

Berechnung

Für einen einfachen arithmetischen Mittelwert gilt: Konsensusschätzung = (E1 + E2 + ... + En) / n.

  • E1 bis En sind die einzelnen Analystenprognosen für dieselbe Kennzahl und denselben Berichtszeitraum. Die Einheiten müssen übereinstimmen: EPS wird in US$ je Aktie angegeben, Umsatz beispielsweise in Mio. US$.
  • n ist die Zahl der berücksichtigten Prognosen. Es handelt sich um eine Anzahl ohne Währungseinheit.
  • Die Konsensusschätzung hat dieselbe Einheit wie die einzelnen Prognosen.

Ein Datenanbieter kann stattdessen den Median ausweisen, ältere Prognosen ausschließen oder andere Auswahlregeln anwenden. Der veröffentlichte Konsens muss daher nicht dem Mittelwert aller auffindbaren Schätzungen entsprechen. Prüfen Sie, ob Mittelwert oder Median angegeben wird, wie viele Prognosen einbezogen sind und wann die Kennzahl zuletzt aktualisiert wurde.

Rechenbeispiel

Angenommen, vier Analysten prognostizieren hypothetisch das EPS eines Unternehmens für das nächste Quartal:

Analyst Hypothetische EPS-Prognose
A 0,80 US$ je Aktie
B 0,90 US$ je Aktie
C 1,00 US$ je Aktie
D 1,10 US$ je Aktie
  1. Prüfen Sie, ob alle vier Prognosen dasselbe Quartal und dieselbe EPS-Grundlage betreffen.
  2. Addieren Sie die Werte: 0,80 US$ + 0,90 US$ + 1,00 US$ + 1,10 US$ = 3,80 US$ je Aktie.
  3. Teilen Sie durch die Zahl der Prognosen: 3,80 US$ / 4 = 0,95 US$ je Aktie.

Der hypothetische durchschnittliche Konsens beträgt 0,95 US$ je Aktie. Weist das Unternehmen später auf vergleichbarer Grundlage 1,05 US$ je Aktie aus, beträgt die Differenz 0,10 US$ je Aktie. Das sind rund 10,5 % mehr als der Konsens (0,10 US$ / 0,95 US$ × 100). Dies beschreibt eine positive Gewinnüberraschung gegenüber der Schätzung – nicht die Rendite einer Aktie.

Bedeutung vor einem Trade

Der Konsens bietet einen Bezugspunkt, um die Erwartungen der Analysten vor einer Ergebnisveröffentlichung einzuordnen. Ein ausgewiesenes Ergebnis lässt sich nur dann sinnvoll damit vergleichen, wenn Kennzahl und Rechnungslegungsgrundlage übereinstimmen. Die Zahl der beitragenden Analysten, die Streuung ihrer Prognosen und das Alter der Schätzungen helfen dabei, die Aussagekraft der zusammengefassten Kennzahl einzuschätzen.

Die Unternehmensprognose ist etwas anderes: Sie stammt vom Unternehmen, während der Konsens Analystenprognosen zusammenfasst. Nachrichten oder Prognosen des Unternehmens können die Schätzungen vor der Veröffentlichung der Ergebnisse verändern. Die Reaktion einer Aktie auf einen Ergebnisbericht kann zudem von Prognosen, Bewertung und weiteren Informationen abhängen – nicht allein davon, ob das ausgewiesene EPS über dem Konsens liegt.

Bei einer Prüfung vor dem Trade können Sie den Zeitpunkt einer Ergebnisveröffentlichung ebenso berücksichtigen wie Liquidität, Volatilität und mögliche Ausführungskosten. Der Konsens allein zeigt weder, ob ein Auftrag geeignet ist, noch zu welchem Kurs er ausgeführt werden könnte.

Verwendung bei PreTrAIde

PreTrAIde ergänzt Aktienanalysen um Analystenbewertungen und aktuelle Nachrichten zum jeweiligen Tickersymbol. Aus den Produktinformationen geht nicht hervor, dass PreTrAIde numerische Konsensusschätzungen berechnet, anzeigt oder verwendet. Es wäre daher unzutreffend, ein PreTrAIde-Urteil als Berechnung eines Gewinnkonsenses zu verstehen.

Bei PreTrAIde stellt der Nutzer einen Aktienkorb zusammen und führt vor der Auftragserteilung eine Pre-Trade-Analyse durch. Das daraus hervorgehende Urteil GO, NO-GO oder MODIFY, die Risikoeinschätzung und die vorgeschlagene Ausführungsstrategie dienen der Entscheidungsunterstützung und sind keine Empfehlungen. Etwaige Trades führen Nutzer selbst über ihren eigenen Broker aus.

Häufige Fehler

  • Berichtszeiträume oder Kennzahlen vermischen: Quartals- und Jahres-EPS lassen sich nicht gemeinsam mitteln. Umsatz und EPS ebenso wenig.
  • Unterschiedliche EPS-Grundlagen vermischen: Bereinigtes und ausgewiesenes EPS können voneinander abweichen. Prüfen Sie die Grundlage, bevor Sie ein Ergebnis mit dem Konsens vergleichen.
  • Den Zeitstempel ignorieren: Ein vor einer neuen Unternehmensprognose erfasster Konsens kann von einem danach aktualisierten Wert abweichen.
  • Den Konsens mit Einstimmigkeit gleichsetzen: Ein Mittelwert zeigt weder die Streuung der Einzelprognosen noch die Zahl der beitragenden Analysten.
  • Eine positive Überraschung mit einem Kursgewinn gleichsetzen: Ein Ergebnis über einer vergleichbaren Schätzung lässt keine bestimmte Reaktion des Aktienkurses erwarten.

Häufig gestellte Fragen

Ist eine Konsensusschätzung dasselbe wie eine Unternehmensprognose?

Nein. Eine Unternehmensprognose wird vom Unternehmen veröffentlicht; eine Konsensusschätzung fasst Analystenprognosen zusammen. Beide können sich auf unterschiedliche Kennzahlen, Zeiträume oder Rechnungslegungsgrundlagen beziehen.

Wie wird eine Konsensusschätzung für Gewinne berechnet?

Für einen einfachen Mittelwert werden die EPS-Prognosen der Analysten für denselben Berichtszeitraum addiert und durch die Zahl der einbezogenen Prognosen geteilt. Einige Anbieter verwenden den Median oder filtern ältere Prognosen heraus. Prüfen Sie daher die jeweilige Methodik.

Was bedeutet es, wenn das Ergebnis über dem Konsens liegt?

Das bedeutet, dass das ausgewiesene Ergebnis die vergleichbare Analystenschätzung übertroffen hat, die als Referenz dient. Für sich genommen sagt das nicht aus, wie der Aktienkurs reagieren wird.

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