Bedeutung
Zinsen können die Finanzierungskosten eines Unternehmens, die Ausgaben seiner Kunden und den Wert beeinflussen, den Anleger künftigen Cashflows beimessen. Höhere Kreditzinsen können beispielsweise den Zinsaufwand für Schulden erhöhen, die refinanziert werden müssen. Die Auswirkungen hängen von den Kreditbedingungen, dem Geschäft und der Fähigkeit des Unternehmens ab, Preise oder Kosten anzupassen.
Zinsen spielen auch für die Bewertung eine Rolle. Anleger vergleichen unsichere künftige Cashflows einer Aktie mit den Renditen, die anderswo verfügbar sind. Steigt der bei einer Bewertung verwendete Abzinsungssatz, sinkt der Barwert einer unveränderten Reihe künftiger Cashflows. Diese Berechnung ist nützlich, doch Aktienkurse spiegeln weit mehr als einen einzelnen Einflussfaktor wider: Gewinnerwartungen, Inflation, Wirtschaftswachstum und bereits eingepreiste Erwartungen können sich gleichzeitig ändern.
Es gibt keine allgemeingültige Regel, wonach Aktien bei steigenden Zinsen fallen oder bei sinkenden Zinsen steigen. Ein Zinsentscheid und die Gründe dafür können unterschiedliche Signale über die Wirtschaft vermitteln.
Berechnung
Es gibt keine einzelne Formel, mit der sich die Auswirkungen von Zinsen auf jede Aktie berechnen lassen. Eine vereinfachte Discounted-Cashflow-Berechnung isoliert einen möglichen Einflusskanal:
Barwert = künftiger Cashflow / (1 + Abzinsungssatz)^Jahre
- Barwert ist der heutige Wert des angegebenen künftigen Cashflows in US$.
- Künftiger Cashflow ist ein hypothetischer Betrag in US$, der zu einem bestimmten künftigen Zeitpunkt erwartet wird.
- Abzinsungssatz ist der jährliche Satz, als Dezimalzahl angegeben. Er umfasst Annahmen zu Zinsen und Risiken. Er entspricht nicht automatisch dem Leitzins einer Zentralbank.
- Jahre bezeichnet die Anzahl der Jahre bis zum Erhalt des Cashflows.
Bei mehreren Cashflows berechnen Sie jeden Barwert anhand seines Zeitpunkts und addieren die Ergebnisse. Diese vereinfachte Berechnung ergibt keinen Aktienkurs: Für die Bewertung einer Aktie müssen auch alle relevanten Cashflows und die Ansprüche darauf berücksichtigt werden.
Rechenbeispiel
Angenommen, ein einzelner künftiger Cashflow von US$110 wird hypothetisch in einem Jahr fällig. Halten Sie Betrag und Zeitpunkt konstant, um zu sehen, wie sich allein eine Änderung des Abzinsungssatzes auswirkt.
- Bei einem jährlichen Abzinsungssatz von 10 % beträgt der Barwert
US$110 / 1,10 = US$100. - Bei einem jährlichen Abzinsungssatz von 11 % beträgt der Barwert
US$110 / 1,11 ≈ US$99,10. - Der Anstieg des angenommenen Satzes um einen Prozentpunkt verringert den berechneten Barwert dieses Cashflows um etwa US$0,90 beziehungsweise 0,9 % gegenüber US$100.
Das ist eine Bewertungssensitivität, keine Prognose für die Kursentwicklung einer Aktie. Ändern sich auch die erwarteten Cashflows oder die Risikoprämie, kann das Gesamtergebnis anders ausfallen. Bei ansonsten gleichen Annahmen reagieren weiter in der Zukunft liegende Cashflows in der Regel stärker auf dieselbe Änderung des Abzinsungssatzes.
Warum das vor einem Trade wichtig ist
Eine Prüfung vor dem Trade kann helfen, die direkte Belastung eines Unternehmens durch Finanzierungskosten von einer Bewertungsannahme zu unterscheiden. Bei festverzinslichen Schulden steigen die Kosten nach einer Leitzinsänderung möglicherweise nicht sofort. Variable Zinsen oder anstehende Refinanzierungen können sich dagegen früher bemerkbar machen. Auch die zinsabhängige Nachfrage der Kunden kann die Umsatz- und Gewinnerwartungen beeinflussen.
Angekündigte Zentralbankentscheide können rasche Kursbewegungen, größere Geld-Brief-Spannen oder unsichere Ausführungen mit sich bringen. Bei der Prüfung eines geplanten Auftrags können Anleger den Zeitpunkt des Entscheids, die Liquidität der Aktie, die Auftragsgröße und die Frage berücksichtigen, ob die Ausführungsbedingungen weiterhin zum beabsichtigten Trade passen. Keine dieser Prüfungen lässt erkennen, in welche Richtung sich der Aktienkurs entwickeln wird.
So nutzt PreTrAIde diesen Begriff
PreTrAIde ist eine KI-Plattform zur Analyse von Aktien vor dem Trade und kein Dienst zur Zinsprognose. Zu den angegebenen quantitativen Eingaben und Modellen gehört keine spezielle Berechnung der Zinssensitivität. Die Analyse nutzt Marktdaten, aktuelle tickerbezogene Nachrichten und Analystenbewertungen. Die quantitative Ebene schätzt Kennzahlen wie Geld-Brief-Spanne, Markteinfluss und tägliche Volatilität.
Nutzer stellen einen Aktienkorb zusammen und geben für jede Aktie Handelsrichtung, Stückzahl und Ausführungsbedingungen an. Vor Aufgabe eines Auftrags liefert PreTrAIde für den gesamten Korb und jede einzelne Position ein Urteil: GO, NO-GO oder MODIFY. Dazu kommen eine vom Modell geschätzte Erfolgswahrscheinlichkeit, eine Risikoeinschätzung, eine vorgeschlagene Ausführungsstrategie und eine Begründung in klarer Sprache. Diese Urteile unterstützen die Entscheidungsfindung, sind aber keine Empfehlungen. Die Erfolgswahrscheinlichkeit ist keine Renditeprognose. Nutzer führen Trades selbst über ihren jeweiligen Broker aus.
Häufige Fehler
- Leitzins, Anleiherendite und Abzinsungssatz einer Aktienbewertung gleichzusetzen. Sie hängen zusammen, sind aber nicht identisch.
- Davon auszugehen, dass eine Zinsankündigung überraschend kam. Erwartungen können bereits in den Kursen eingepreist sein.
- Für jedes Unternehmen dieselbe allgemeine Marktreaktion anzunehmen, unabhängig von Schulden, Cashflows oder Kunden.
- Die Veränderung des Barwerts im Rechenbeispiel als prognostizierte Aktienrendite zu verstehen.