Was bedeutet der Begriff?
Zentralbanken können längerfristige Finanzierungskosten beeinflussen, indem sie Finanzanlagen kaufen – häufig Staatsanleihen, manchmal auch andere zulässige Wertpapiere. Diese Käufe weiten die Bilanz der Zentralbank aus und erhöhen die Reserven im Bankensystem. Notenbanken können zu diesem Instrument greifen, wenn eine Senkung des kurzfristigen Leitzinses allein nicht als ausreichend gilt.
Quantitative Lockerung (QE) ist eine Ankaufspolitik, keine direkte Zahlung an private Haushalte und keine Garantie dafür, dass Banken mehr Kredite vergeben. Anleihekäufe können deren Kurse steigen und Renditen sinken lassen. Die Auswirkungen auf Finanzierungskosten, Konjunktur und Aktienkurse sind jedoch ungewiss. Da die Zentralbank ihre Bestände auch aus anderen Gründen verändern kann, bedeutet eine größere Bilanz nicht zwangsläufig, dass ein neues QE-Programm läuft.
So wird sie berechnet
QE ist eine geldpolitische Maßnahme und keine einzelne Finanzkennzahl. Die Größe eines angekündigten Ankaufprogramms lässt sich zum Beispiel so messen:
Nettoankäufe von Vermögenswerten (US-Dollar) = Bruttoankäufe von Vermögenswerten (US-Dollar) − Verkäufe von Vermögenswerten (US-Dollar) − Tilgungsbeträge, die nicht reinvestiert werden (US-Dollar)
- Bruttoankäufe sind der Nenn- oder Transaktionswert der im angegebenen Zeitraum gekauften Wertpapiere – je nach verwendeter Berichtsweise.
- Verkäufe von Vermögenswerten sind die Wertpapiere, welche die Zentralbank im selben Zeitraum verkauft, gemessen nach einer einheitlichen Methode.
- Nicht reinvestierte Tilgungsbeträge sind Erlöse aus fälligen Wertpapieren, die die Zentralbank nicht zum Kauf von Ersatzpapieren verwendet.
- Nettoankäufe zeigen für den betrachteten Zeitraum die Veränderung, die sich aus den Ankäufen und dem Abbau von Beständen ergibt. Sie entsprechen nicht automatisch der Veränderung des ausgewiesenen Bilanzwerts.
Für eine genaue Berechnung muss eine einheitliche Berichtsweise verwendet und es müssen ausschließlich die von ihr erfassten Zahlungsströme berücksichtigt werden. Zinsen, Bewertungsänderungen und andere Bilanzgeschäfte können dazu führen, dass die ausgewiesenen Bestände von dieser vereinfachten Stromgrößenberechnung abweichen. Ankündigungen zu QE können stattdessen ein monatliches Ankaufvolumen oder ein Gesamtziel nennen – jeweils als Geldbetrag über einen bestimmten Zeitraum.
Rechenbeispiel
Angenommen, eine hypothetische Zentralbank hält zu Monatsbeginn Wertpapiere im Wert von 1.000 Mrd. US-Dollar. Im Laufe des Monats:
- kauft sie Anleihen für 100 Mrd. US-Dollar,
- verkauft sie Anleihen für 10 Mrd. US-Dollar,
- werden Anleihen im Wert von 20 Mrd. US-Dollar fällig, deren Tilgungsbeträge sie nicht reinvestiert.
Die Nettoankäufe betragen 100 Mrd. US-Dollar − 10 Mrd. US-Dollar − 20 Mrd. US-Dollar = 70 Mrd. US-Dollar. Wenn es keine Bewertungsänderungen oder sonstigen Anpassungen gibt, belaufen sich die Wertpapierbestände zum Monatsende auf 1.000 Mrd. US-Dollar + 70 Mrd. US-Dollar = 1.070 Mrd. US-Dollar.
Die 70 Mrd. US-Dollar entsprechen unter den Annahmen des Beispiels der Veränderung der Wertpapierbestände. Daraus lässt sich weder ablesen, wie sich Anleiherenditen oder Aktienkurse verändert haben, noch ableiten, dass QE eine beobachtete Marktbewegung verursacht hat.
Warum der Begriff vor einem Trade wichtig ist
Eine Ankündigung zu QE oder eine Änderung des Ankauftempos kann die Erwartungen hinsichtlich der Zinsen und der Konjunktur verschieben. Das kann sich auf Anleiherenditen, Aktienbewertungen und Wechselkurse auswirken. Märkte können auch anders reagieren, als es die einfache Annahme „mehr Käufe, höhere Aktienkurse“ nahelegt: Die Maßnahme könnte bereits eingepreist sein oder auf eine konjunkturelle Schwäche hindeuten.
Bei einer Aktienorder sollten Sie die tatsächlichen Ausführungsbedingungen beachten: aktuelle Liquidität, Geld-Brief-Spanne, Volatilität und das Ordervolumen im Verhältnis zum Handelsvolumen. Rund um wichtige geldpolitische Ankündigungen können sich diese Bedingungen schnell verändern. Eine Pre-Trade-Prüfung bewertet den geplanten Trade anhand der verfügbaren Informationen; sie kann weder die Auswirkungen von QE isolieren noch makroökonomische Unsicherheit beseitigen.
So nutzt PreTrAIde den Begriff
Aus den Produktinformationen geht nicht hervor, dass PreTrAIde QE-Ankündigungen erfasst oder QE als eigenständige Modelleingabe verwendet. PreTrAIde bietet eine Pre-Trade-Analyse für einen vom Nutzer zusammengestellten Aktienkorb, bevor eine Order aufgegeben wird. Die quantitative Ebene schätzt unter anderem Geld-Brief-Spanne, Markteinfluss, Tagesvolatilität und den Ein-Tages-Value-at-Risk mit einem Konfidenzniveau von 95 %. Die KI-Ebene wertet Quant-Scores, aktuelle Nachrichten und Analystenbewertungen aus.
Diese Eingaben können bei der Prüfung der Handelsbedingungen helfen. Ein PreTrAIde-Urteil ist jedoch eine Entscheidungshilfe, keine Prognose zu den Marktauswirkungen von QE und keine Handelsanweisung. Nutzer führen ihre Trades selbst über ihren eigenen Broker aus.
Häufige Fehler
- QE mit dem Drucken von Geld für Verbraucher gleichsetzen. Die Zentralbank kauft Vermögenswerte; das bedeutet nicht, dass private Haushalte den Kaufbetrag erhalten.
- Das Ankaufvolumen als Prognose für den Aktienmarkt betrachten. Die Auswirkungen hängen von den Erwartungen und weiteren wirtschaftlichen Bedingungen ab.
- Bruttoankäufe mit Nettozuflüssen verwechseln. Verkäufe und Fälligkeiten ohne Reinvestition können die Ankäufe teilweise oder vollständig ausgleichen.
- Annehmen, dass jedes Bilanzwachstum QE ist. Andere Zentralbankgeschäfte und Bewertungsänderungen können die ausgewiesenen Bestände verändern.