Was bedeutet das?
Wenn Anleger beobachten, dass viele andere kaufen oder verkaufen, kann sie das dazu bewegen, es ihnen gleichzutun. Manchmal verfügt die Gruppe über relevante Informationen, manchmal reagiert sie auf Aufmerksamkeit, Unsicherheit oder das Verhalten anderer Trader. Ähnliche Trades beweisen für sich genommen nicht, dass jemand andere nachgeahmt hat.
Herdenverhalten beschreibt ein Entscheidungsmuster, keine Kursprognose. Es kann bei einem viel diskutierten Nachrichtenereignis oder einer schnell steigenden beziehungsweise fallenden Aktie auftreten. Es unterscheidet sich von Momentum, das einen Kurstrend beschreibt: Anleger können einem Trend unabhängig voneinander folgen, und Herdenverhalten kann auch ohne anhaltenden Trend auftreten.
Wie wird es berechnet?
Es gibt keine einzelne Formel, mit der sich Herdenverhalten anhand eines individuellen Trades feststellen lässt. Forschende können vergleichen, wie häufig Anleger bei einer Aktie auf derselben Seite handeln und wie häufig sie dies im breiteren Markt tun. Eine einfache, illustrative Kennzahl lautet:
H = |B / (B + S) − P|
Hist die absolute Differenz zwischen zwei Kaufanteilen. Multipliziert mit 100 wird sie in Prozentpunkten angegeben.Bist die Zahl der beobachteten Anleger, die die Aktie in einem festgelegten Zeitraum kaufen.Sist die Zahl der beobachteten Anleger, die sie im selben Zeitraum verkaufen.Pist der Anteil der beobachteten Anleger, die im selben Zeitraum in einer breiteren Vergleichsgruppe kaufen, als Dezimalzahl zwischen 0 und 1 angegeben.
Für die Berechnung braucht man Beobachtungen auf Anlegerebene und eine klar definierte Vergleichsgruppe. Sie dient der Veranschaulichung und ist kein standardisiertes Diagnoseverfahren. Eine große Differenz zeigt, dass die Handelsaktivität im Vergleich zu dieser Gruppe ungewöhnlich einseitig ist. Sie beweist nicht, warum die Anleger ähnlich gehandelt haben. Aus dem öffentlich ausgewiesenen Handelsvolumen allein lassen sich die für dieses Beispiel nötigen Anlegerzahlen nicht ableiten.
Rechenbeispiel
Angenommen, ein hypothetischer Datensatz erfasst die Entscheidungen von 100 Anlegern zu einer Aktie an einem Tag. 80 dieser Anleger kaufen und 20 verkaufen. In einer breiteren Auswahl beobachteter Aktienentscheidungen entfallen am selben Tag 55 % auf Käufe.
- Kaufanteil der Aktie berechnen:
80 / (80 + 20) = 0,80. - Kaufanteil der Vergleichsgruppe abziehen:
0,80 − 0,55 = 0,25. - Absolutwert bilden:
H = 0,25beziehungsweise 25 Prozentpunkte.
Bei den beobachteten Entscheidungen überwiegen Käufe deutlich stärker als in der Vergleichsgruppe. Daraus folgt nicht, dass die 80 Käufer einander nachgeahmt haben. Sie könnten unabhängig voneinander auf dieselbe Unternehmensmeldung reagiert haben. Ein anderer Beobachtungszeitraum oder eine andere Vergleichsgruppe könnte ein abweichendes Ergebnis liefern.
Warum ist das vor einem Trade wichtig?
Wer der Masse folgt, kann sichtbare Aktivität an die Stelle eines klar benannten Handelsgrundes setzen. Prüfen Sie vor einer Order, welche Informationen Sie verifizieren können und was lediglich auf Signalen wie Aufmerksamkeit in sozialen Medien oder einer schnellen Kursbewegung beruht. Überlegen Sie auch dann, ob die geplante Position zu Ihrem vorgesehenen Aktienkorb und Ihren Risikogrenzen passt, wenn viele andere Anleger offenbar ähnlich entscheiden.
Starke Konzentration von Handelsaktivität kann zudem mit veränderten Ausführungsbedingungen einhergehen. Eine breite Geld-Brief-Spanne verteuert das Überschreiten der Spanne; bei einer Order, die im Verhältnis zum Tagesvolumen groß ist, kann der geschätzte Markteinfluss höher ausfallen. Keiner dieser Faktoren beweist Herdenverhalten. Bei starkem Interesse an einer Aktie sind sie jedoch beide für die Prüfung vor dem Trade relevant.
Wie PreTrAIde das einordnet
PreTrAIde erhebt nicht den Anspruch, einen Herdenverhaltens-Score zu berechnen oder festzustellen, ob Anleger einander nachahmen. Die Pre-Trade-Analyse prüft einen vom Nutzer zusammengestellten Aktienkorb, bevor eine Order platziert wird. Die quantitative Ebene schätzt unter anderem Geld-Brief-Spanne, Anteil am Tagesvolumen, Markteinfluss, Volatilität und Portfoliokonzentration. Die KI-Ebene wertet quantitative Kennzahlen, aktuelle Nachrichten und Analystenbewertungen aus und gibt ein Urteil in verständlicher Sprache ab: GO, NO-GO oder MODIFY. Diese Urteile dienen der Entscheidungsunterstützung und sind keine Empfehlungen.
Die Prüfung kann Nutzern helfen, Ausführungs- und Korbrisiken zu beurteilen, wenn eine Handelsidee Aufmerksamkeit auf sich zieht. Sie kann nicht feststellen, ob die Masse richtig oder falsch liegt, und nimmt dem Nutzer keine Verhaltensverzerrungen bei der Entscheidung ab.
Häufige Fehler
- Einen Kursanstieg mit Herdenverhalten gleichsetzen. Ein Kurs kann steigen, weil Anleger unabhängig voneinander auf neue Informationen reagieren.
- Hohes Handelsvolumen als Beweis ansehen. Das Volumen zeigt die Handelsaktivität, nicht die Beweggründe der Anleger.
- Annehmen, dass die Masse falschliegen muss. Gemeinsame Entscheidungen können auf nützlichen Informationen beruhen; Herdenverhalten allein lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die künftige Kursrichtung zu.
- Die Vergleichsgruppe ignorieren. Eine Aktie mit hohem Kaufanteil kann an einem Tag, an dem am gesamten Markt breit gekauft wird, weniger ungewöhnlich sein.