Bedeutung
Mehrere ETFs im Portfolio bedeuten nicht zwangsläufig, dass Sie unterschiedliche Aktien besitzen. Zwei Fonds können ähnliche Indizes abbilden oder viele derselben großen Unternehmen halten. Die ETF-Überschneidung beschreibt diese Doppelungen auf Ebene der Basiswerte – nicht, wie viele ETF-Tickersymbole im Depot stehen.
Die Überschneidung lässt sich auf verschiedene Arten messen. Eine einfache Zählung erfasst, wie viele Wertpapiere in beiden Fonds enthalten sind. Eine gewichtete Kennzahl zeigt, welcher Anteil jedes Fonds in gemeinsame Wertpapiere investiert ist. Letztere macht einen wichtigen Unterschied sichtbar: Eine gemeinsame große Position kann stärker ins Gewicht fallen als mehrere gemeinsame, sehr kleine Positionen.
Berechnung
Für zwei Fonds mit Beständen zum selben Stichtag lautet eine gängige gewichtete Kennzahl:
Überschneidung (%) = 100 × Σ min(wA,i, wB,i)
Σbedeutet, dass die Ergebnisse für alle unterschiedlichen Basiswerte addiert werden, die in mindestens einem der beiden Fonds enthalten sind.wA,iist der Anteil des Wertpapiersiam Gesamtvermögen von ETF A, ausgedrückt als Dezimalzahl.wB,iist der entsprechende Anteil in ETF B.minbezeichnet den jeweils kleineren der beiden Anteile. Ist ein Wertpapier in einem Fonds nicht enthalten, beträgt sein Anteil dort null.
Wenn die Anteile der Bestände beider Fonds jeweils 1 ergeben, liegt das Ergebnis zwischen 0 % und 100 %. Die Kennzahl misst, welcher Anteil der gewichteten Bestände übereinstimmt. Sie bedeutet nicht, dass sich die Renditen der Fonds in diesem Prozentsatz gleich bewegen. Nicht in der angezeigten Liste enthaltene Positionen, etwa Bargeld, sollten einbezogen werden, wenn eine vollständige Berechnung auf Fondsebene angestrebt wird. Anbieter können unterschiedliche Definitionen verwenden. Prüfen Sie daher die Berechnungsmethode hinter veröffentlichten Kennzahlen.
Rechenbeispiel
Angenommen, zwei hypothetische ETFs halten ausschließlich die folgenden Wertpapiere. Alle Zahlen dienen nur der Veranschaulichung und entsprechen keinen aktuellen Fondsdaten.
| Wertpapier | Gewicht ETF A | Gewicht ETF B | Kleinerer Anteil |
|---|---|---|---|
| Aktie X | 50 % | 30 % | 30 % |
| Aktie Y | 30 % | 40 % | 30 % |
| Aktie Z | 20 % | 0 % | 0 % |
| Aktie W | 0 % | 30 % | 0 % |
| Summe | 100 % | 100 % | 60 % |
Zunächst werden die gemeinsamen Aktien ermittelt: X und Y. Anschließend wird jeweils der kleinere Anteil angesetzt: 30 % für X und 30 % für Y. Zusammen ergibt das eine gewichtete Überschneidung von 60 %. Zwei der vier unterschiedlichen Aktien kommen in beiden ETFs vor; die Überschneidung nach Anzahl beträgt also 50 %. Die beiden Kennzahlen beantworten unterschiedliche Fragen.
Befinden sich jeweils 1.000 US$ in ETF A und ETF B, beträgt das indirekte Engagement in Aktie X über ETF A 500 US$ und über ETF B 300 US$. Das sind insgesamt 800 US$ der ETF-Position von 2.000 US$ – ein kombiniertes Gewicht von 40 % in Aktie X. Die Überschneidungskennzahl von 60 % entspricht nicht dem Anteil einer einzelnen Aktie im Depot.
Warum die Kennzahl vor einem Trade wichtig ist
Eine zusätzliche ETF-Position kann das Engagement in Aktien erhöhen, die bereits über einen anderen Fonds gehalten werden. Wer die Basiswerte vor einem Trade prüft, kann besser unterscheiden, ob lediglich ein neuer Fondsname hinzukommt oder sich das tatsächliche Engagement nach Aktien, Sektoren oder Ländern verändert. Das ist besonders relevant, wenn Fonds ähnliche Indizes abbilden oder ein Portfolio breit gestreute mit stärker fokussierten Fonds kombiniert.
Die Überschneidung allein sagt nicht aus, ob ein Portfolio diversifiziert ist. Fonds mit geringer Überschneidung können auf dieselben wirtschaftlichen Risiken ähnlich reagieren. Umgekehrt können Fonds mit gemeinsamen Positionen unterschiedliche Gewichtungen und weitere Engagements aufweisen. Außerdem ändern sich die Bestände, und Listen mit unterschiedlichen Stichtagen sind möglicherweise nicht direkt vergleichbar. Für eine Prüfung auf Portfolioebene sollten Sie die Basiswertanteile jedes ETFs mit seinem Anteil am Depot gewichten und auch direkt gehaltene Aktien einbeziehen.
Verwendung bei PreTrAIde
PreTrAIde ist eine KI-gestützte Plattform zur Analyse vor dem Trade für Aktienkörbe. Die beschriebenen Portfolioaufschlüsselungen umfassen Länder, Sektoren, Regionen, Währungen und Marktkapitalisierung. Außerdem berechnet die Plattform einen Herfindahl-Hirschman-Konzentrationsindex. Aus den Produktangaben geht nicht hervor, dass PreTrAIde ETF-Bestände akzeptiert oder ETF-Überschneidungen berechnet. Eine separate Durchschau der Basiswerte eines ETFs kann daher eine Prüfung der Konzentration vor dem Trade ergänzen. Die Urteile GO, NO-GO und MODIFY dienen der Entscheidungsunterstützung und sind keine Empfehlungen.
Häufige Fehler
- Tickersymbole statt Engagements zählen. Zwei ETF-Tickersymbole können viele derselben Aktien enthalten.
- Die Anzahl gemeinsamer Aktien mit einer gewichteten Kennzahl verwechseln. Die gleiche Anzahl kann sehr unterschiedliche Positionsgrößen verbergen.
- Paarweise Überschneidung mit Portfoliokonzentration gleichsetzen. Bei der Überschneidung zweier Fonds wird nicht berücksichtigt, welchen Anteil des jeweiligen Fonds das Depot hält.
- Unvollständige Bestandslisten oder Listen mit unterschiedlichen Stichtagen verwenden. Top-10-Listen lassen weitere Positionen aus; Bestände von verschiedenen Stichtagen können den Vergleich verfälschen.
- Überschneidung mit Korrelation gleichsetzen. Gemeinsame Bestände und ähnliches Renditeverhalten hängen zusammen, sind aber unterschiedliche Sachverhalte und Berechnungen.