Bedeutung
Ein breiter Markt kann deutlich fallen, auch wenn einzelne Aktien steigen. Ein Bärenmarkt bezeichnet einen länger anhaltenden Abschwung, der üblicherweise anhand eines Aktienindex und nicht anhand des Kurses einer einzelnen Aktie gemessen wird. Ein Rückgang von mindestens 20 % gegenüber einem jüngsten Höchststand gilt als gängige Faustregel, ist aber keine offizielle Regel, die für jeden Markt gilt.
Welcher Index herangezogen wird, ist entscheidend: Ein nationaler, regionaler oder sektorbezogener Index kann den Schwellenwert zu unterschiedlichen Zeitpunkten erreichen. Ein Bärenmarkt ist nicht dasselbe wie eine Rezession, bei der es um die wirtschaftliche Aktivität geht. Die Bezeichnung sagt auch nicht aus, warum die Kurse gefallen sind oder wann der Rückgang endet.
Berechnung
Um die gängige Schwelle von 20 % zu prüfen, wird der Indexstand mit einem früheren Höchststand verglichen:
Rückgang (%) = (Indexhöchststand − aktueller Indexstand) / Indexhöchststand × 100
- Indexhöchststand ist der frühere Höchststand des Index im betrachteten Zeitraum, gemessen in Indexpunkten.
- Aktueller Indexstand ist der Indexstand zum Beobachtungszeitpunkt, ebenfalls in Indexpunkten.
- Rückgang (%) ist der prozentuale Rückgang gegenüber dem Höchststand. Die Einheiten in Indexpunkten kürzen sich bei der Division heraus.
Nach der gängigen Faustregel ist die numerische Schwelle bei einem Rückgang von mindestens 20 % erreicht. Analysten können sich darin unterscheiden, welchen Höchststand sie zugrunde legen, ob sie Schluss- oder Intraday-Stände vergleichen und wie lange der Rückgang anhalten muss. Bei Vergleichen von Bärenmarkt-Daten sollten diese Festlegungen genannt werden.
Rechenbeispiel
Angenommen, ein hypothetischer breiter Aktienindex erreicht einen Schlussstand-Höchstwert von 5.000 Punkten. Später liegt sein Schlussstand bei 4.000 Punkten.
- Aktuellen Stand vom Höchststand abziehen: 5.000 − 4.000 = 1.000 Punkte.
- Durch den Höchststand teilen: 1.000 / 5.000 = 0,20.
- In Prozent umrechnen: 0,20 × 100 = 20 %.
Gemessen an den Schlussständen hat der Index damit die gängige Bärenmarkt-Schwelle erreicht. Läge er stattdessen bei 4.100 Punkten, betrüge der Rückgang 900 / 5.000 × 100 = 18 % – also weniger als die Schwelle. Keine der beiden Berechnungen sagt aus, was als Nächstes geschieht oder wie sich eine bestimmte Aktie entwickeln wird.
Warum das vor dem Handel wichtig ist
Die Bezeichnung Bärenmarkt liefert Kontext, doch ein Rückgang auf Indexebene ersetzt nicht die Prüfung eines geplanten Aktiengeschäfts. Einzelne Aktien können sich hinsichtlich Liquidität, Volatilität und Nachrichtenrisiko deutlich vom Index unterscheiden. Auch die Ordergröße ist wichtig: Bei einer Order, die einen großen Anteil des täglichen Handelsvolumens einer Aktie ausmacht, können andere Ausführungsbedingungen gelten als bei einer kleineren Order.
Vor einer Order kann eine Pre-Trade-Prüfung die geschätzte Geld-Brief-Spanne, den Anteil der Order am täglichen Handelsvolumen, mögliche Marktauswirkungen und die Konzentration des Aktienkorbs untersuchen. Diese Kennzahlen beleuchten Risiken und Kosten, die von der Indexschwelle von 20 % nicht erfasst werden. Es handelt sich um Schätzungen, nicht um Zusicherungen zu einem Ausführungskurs oder Anlageergebnis.
So verwendet PreTrAIde den Begriff
Die Produktangaben weisen weder eine Bärenmarkt-Einstufung noch eine Prüfung eines Indexrückgangs von 20 % als Eingabe oder Ausgabe von PreTrAIde aus. PreTrAIde bietet eine Pre-Trade-Analyse für einen vom Nutzer zusammengestellten Aktienkorb, bevor dieser eine Order platziert. Die quantitative Analyse schätzt unter anderem Geld-Brief-Spanne, tägliche Volatilität, Marktauswirkung, Anteil am täglichen Handelsvolumen und den Value at Risk für einen Tag bei 95 % Konfidenzniveau.
PreTrAIde gibt für den Aktienkorb und jede einzelne Position ein Urteil aus: GO, NO-GO oder MODIFY. Dazu gehören eine modellbasierte Erfolgswahrscheinlichkeit, eine Risikoeinschätzung, eine vorgeschlagene Ausführungsstrategie und eine allgemein verständliche Begründung. Diese Urteile unterstützen die Entscheidungsfindung; sie sind weder Empfehlungen noch Garantien. PreTrAIde platziert keine Orders.
Häufige Fehler
- 20 % als allgemeingültige Regel behandeln. Es ist eine weit verbreitete Faustregel; unterschiedliche Messmethoden können beeinflussen, wann die Schwelle erreicht wird.
- Den Rückgang einer einzelnen Aktie als Bärenmarkt bezeichnen. Der Begriff bezieht sich normalerweise auf einen breiteren Markt oder einen bestimmten Index.
- Einen Indexrückgang mit dem Risiko jeder einzelnen Aktie gleichsetzen. Volatilität, Liquidität und Ausführungskosten können sich von Aktie zu Aktie deutlich unterscheiden.
- Annehmen, die Bezeichnung sage die nächste Kursbewegung voraus. Ein anhand vergangener Indexstände gemessener Rückgang kann künftige Kurse nicht bestimmen.