Märkte und Finanzinstrumente

Bullenmarkt

Ein Bullenmarkt ist eine anhaltende Phase steigender Kurse an einem Markt oder in einer Anlageklasse. Häufig wird er angenommen, wenn ein breiter Aktienindex gegenüber einem jüngsten Tief um mindestens 20 % steigt.

Bedeutung

Ein steigender Markt wird als Bullenmarkt bezeichnet, wenn der Aufwärtstrend ausgeprägt und anhaltend ist. Der Begriff bezieht sich meist auf einen breiten Aktienmarkt oder Index, nicht auf jede einzelne Aktie. Als gängige Faustregel gilt ein Anstieg von mindestens 20 % gegenüber einem jüngsten Tief. Eine allgemein verbindliche Regel dafür, welcher Ausgangspunkt oder welche Dauer maßgeblich ist, gibt es jedoch nicht.

Ein Bullenmarkt beschreibt bereits gestiegene Kurse – nicht deren weitere Entwicklung. Einzelne Aktien können fallen, während der Index steigt, und auch ein längerfristiger Aufwärtstrend kann zwischenzeitliche Rückschläge aufweisen. Das Gegenstück, der Bärenmarkt, bezeichnet üblicherweise einen anhaltenden Kursrückgang.

Berechnung

Bei der gängigen 20-%-Faustregel wird die prozentuale Veränderung zwischen einem Index-Tief und einem späteren Indexstand berechnet:

Anstieg (%) = [(späterer Indexstand − Referenztief) / Referenztief] × 100

  • Späterer Indexstand: der betrachtete Indexwert in Indexpunkten.
  • Referenztief: ein früherer Tiefstand desselben Index, ebenfalls in Indexpunkten.
  • Anstieg (%): die Veränderung gegenüber diesem Tief, ausgedrückt als Prozentsatz.

Beide Werte müssen sich auf denselben Index beziehen. Schließt der Index reinvestierte Dividenden aus, misst die Formel die Veränderung des Kursindex. Ein Gesamtrenditeindex berücksichtigt Dividenden gemäß seiner eigenen Methodik. Keine der Berechnungen belegt, dass jede Aktie im Index gestiegen ist. Um einen konkreten Bullenmarkt abzugrenzen, muss außerdem festgelegt werden, welches Tief als Referenz dient und wann der Zeitraum endet.

Rechenbeispiel

Angenommen, ein hypothetischer Aktienindex erreicht einen Tiefstand von 1.000 Punkten und notiert später bei 1.220 Punkten.

  1. Tiefstand abziehen: 1.220 − 1.000 = 220 Punkte.
  2. Durch den Tiefstand teilen: 220 ÷ 1.000 = 0,22.
  3. In Prozent umrechnen: 0,22 × 100 = 22 %.

Der Index überschreitet damit die gängige 20-%-Schwelle. Nach dieser Faustregel könnte man den Anstieg als Bullenmarkt bezeichnen. Die Berechnung sagt nichts darüber aus, wie lange der Aufwärtstrend anhält. Fällt eine Aktie im Index im selben Zeitraum, wird ihre individuelle Rendite dadurch nicht zu einem Gewinn.

Warum der Begriff vor einem Trade wichtig ist

Ein marktweiter Aufwärtstrend liefert Kontext, sagt aber weder etwas über die Ausführungskosten einer Order noch über das Risiko eines Aktienkorbs aus. Vor der Orderaufgabe kann ein Pre-Trade-Check die Liquidität einer Aktie, die geschätzte Geld-Brief-Spanne, den erwarteten Markteinfluss und die Volatilität prüfen. Eine große Order im Verhältnis zum üblichen Tagesvolumen kann unter anderen Ausführungsbedingungen abgewickelt werden als eine kleine – unabhängig davon, wie der Markt bezeichnet wird.

Bei einem Aktienkorb ist auch die Konzentration wichtig. Mehrere Aktien können demselben Sektor- oder Länderrisiko ausgesetzt sein, selbst wenn sie unterschiedliche Tickersymbole haben. Ein steigender Indextrend schließt Verluste, Kurssprünge oder Teilausführungen nicht aus. Der Marktkontext und die Bedingungen eines konkreten Trades beantworten unterschiedliche Fragen.

Verwendung bei PreTrAIde

Aus den Produktangaben geht nicht hervor, dass PreTrAIde einen Bullenmarkt berechnet oder feststellt. Stattdessen bewertet die Pre-Trade-Analyse einen vom Nutzer zusammengestellten Aktienkorb vor der Orderaufgabe. Die quantitative Analyse schätzt unter anderem Geld-Brief-Spanne, Anteil am Tagesvolumen, Markteinfluss, Tagesvolatilität und den Value at Risk auf Tagesbasis bei 95 %; außerdem bewertet sie Portfolioaufteilungen und Konzentrationen.

PreTrAIde gibt für den Aktienkorb und jede einzelne Position ein GO-, NO-GO- oder MODIFY-Votum aus – mit Begründung, Risikoeinschätzung und einem vorgeschlagenen Ausführungsplan. Diese Voten dienen der Entscheidungsunterstützung und sind keine Empfehlungen. Die angegebene Erfolgswahrscheinlichkeit ist eine Modellschätzung, keine Renditeprognose oder Garantie. Etwaige Trades führen Nutzer selbst über ihren eigenen Broker aus.

Häufige Fehler

  • Die 20-%-Schwelle als offizielle Regel behandeln. Sie ist eine Faustregel; Definitionen und gewählte Referenztiefs können variieren.
  • Annehmen, dass jede Aktie mitsteigt. Ein Index kann steigen, während einzelne Bestandteile fallen.
  • Einen Indexanstieg mit einer Trade-Rendite verwechseln. Einstiegskurs, Dividenden, Gebühren und Ausführungskosten beeinflussen das Ergebnis eines Anlegers.
  • Den Begriff als Signal für den nächsten Handelstag auffassen. Er beschreibt einen beobachteten Anstieg, ist aber keine verlässliche Prognose und ersetzt nicht die Prüfung einer konkreten Order.

Häufig gestellte Fragen

Bedeutet ein Bullenmarkt immer, dass die Kurse um 20 % gestiegen sind?

Nein. Ein Anstieg von mindestens 20 % gegenüber einem jüngsten Tief ist eine gängige Faustregel, aber keine allgemeingültige Definition. Der betrachtete Index, das Referenztief und die Berücksichtigung von Dividenden können die Berechnung beeinflussen.

Kann eine Aktie während eines Bullenmarkts fallen?

Ja. Die Bezeichnung Bullenmarkt bezieht sich meist auf einen breiten Markt oder Index. Dessen Anstieg setzt nicht voraus, dass jede darin enthaltene Aktie zulegt.

Bedeutet ein Bullenmarkt, dass ein Aktien-Trade profitabel sein wird?

Nein. Der Begriff beschreibt einen vergangenen Marktanstieg. Das Ergebnis eines Trades hängt von der Kursentwicklung der Aktie und Faktoren wie den Ausführungskosten ab.

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